Gottesdienst „to go“ für Sonntag (Rogate) den 09. Mai 2021

 

Liebe Leserin, lieber Leser, schön, dass Sie diesen Gottesdienst zur Hand genommen haben. Wir begehen den Sonntag Rogate, den 5. Sonntag nach Ostern. Rogate heißt beten. Darum soll es heute gehen.


Lied: Dich rühmt der Morgen


Gebet:
Barmherziger Gott, du hast uns ermutigt, uns an dich zu wenden mit allem was uns auf dem Herzen liegt. Wenn es uns schlecht geht, denken wir an dich und bitten um Hilfe. Wir fragen uns, ob du zuhörst, ob du wichtig nimmst, was uns bewegt? Wenn es uns gut geht, vergessen wir manchmal zu danken und nehmen es für selbstverständlich. Du kennst unsere Gedanken, du nimmst uns wahr von fern und nah, du vergibst uns und wendest dich uns immer wieder zu. Du bist unser Gott, der mit dem Heiligen Geist und deinem Sohn Jesus Christus lebt und Leben schaffst, der zuhört und versteht in Ewigkeit. AMEN
 


Predigt:

Die Predigt zum Anhören 

Liebe Leserin, lieber Leser,
Rogate ist der Name des heutigen Sonntags. Das heißt übersetzt: Betet!

Diese Aufforderung lässt uns keine Wahlmöglichkeit. Es ist eine klare Anweisung. Also, dann beten Sie einmal!

In dieser Coronazeit werden sicher viele Klagegebete Gott erreichen, denn die gegenwärtige Lage macht das Leben an vielen Stellen schwer. Dabei haben wir eigentlich Grund zum Dank. Erst vor wenigen Wochen war Ostern, das Fest der Auferstehung. Und kleine Highlights im Alltag wird es hier und dort sicher auch geben. Wer seine Gebete einmal aufschreiben will kann sie in Landenhausen zur Zeit in die kleine Klagemauer in der Kirche stecken.

Wir alle vermissen sicher im Augenblick das gemeinsame Gebet im Gottesdienst, vor allem das Vaterunser und das Glaubensbekenntnis.

Auch der heutige Predigttext aus 1. Timotheus 2, 1-6a spricht davon:
Das Gemeindegebet1 So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen, 2 für die Könige und für alle Obrigkeit, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Frömmigkeit und Ehrbarkeit. 3 Dies ist gut und wohlgefällig vor Gott, unserm Heiland, 4 welcher will, dass alle Menschen gerettet werden und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. 5 Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus, 6 der sich selbst gegeben hat als Lösegeld für alle.“

Gott spricht zu uns, damit wir vom Tode zum Leben durchdringen. AMEN

Beten ist Pflicht in der Gemeinde. Alle sind freundlich aber bestimmt aufgefordert zu beten. Ich ermahne euch, heißt es im Text, und das ist kein freundliches Erinnern, sondern es handelt sich um etwas Wichtiges. Und zwar soll nicht nur einer für alle beten, sondern alle für alle! Es geht um Bitte, Gebet, Fürbitte und Dankgebete für alle Menschen.

Wenn ich mir dabei die Menschen vorstelle, die mir nahe sind, dann ist das einfach. Oft weiß ich ja, welches die Nöte der und Sorgen meiner liebsten sind und kann gut für sie bitten. Was mir selbst fehlt, weiß ich meistens auch, besonders im Vergleich zu anderen. Der Dank für das, was mir an Guten im Leben geschenkt ist, fällt mir da schon weniger schnell ein. Fürbitten fallen mir im Moment im Angesicht von Corona, besonders gerade in Indien schnell ein, wenn ich die Nachrichten höre oder lese.

Aber es geht hier noch um etwas mehr. Um das Beten für alle geht es und nicht nur um das Beten für die, wo es mir leichtfällt, sondern auch für die, die nicht unbedingt zu meinen Freunden zählen. Menschen, die ich nicht leiden kann oder mit denen ich im Streit bin. Und auch für die, die mich verletzt haben. Für alle sollen wir beten, auch für die, die Fehler gemacht haben oder die für das Leid anderer verantwortlich sind, für die Kriegstreiber, für die Schleuser von Flüchtlingen. Für die, die andere quälen und foltern.

Das ist ungeheuer viel, was da von uns gefordert wird. Das fordert die Fähigkeit beim Beten von meinen eigenen Befindlichkeiten und Bedürfnissen absehen und weitersehen zu können. Für alle Menschen – da ist die ganze Welt eingeschlossen, Arme, Reiche, Schlaue, Dumme, Kinder, Erwachsene, Christen, Muslime, Juden, Atheisten, Querdenker – einfach alle. Ausnahmen gibt es nicht.

Im Bibeltext wird eine kleine Gruppe von Menschen noch besonders erwähnt, die Obrigkeit. Es scheint, dass das für die Christen damals auch nicht selbstverständlich war.
Vielleicht denken sie, irgendwo ist da mal die Grenze erreicht.

Aber: Was auf dem ersten Blick aussieht, als sollte man kriegerisch und anbiedernd sein, ist auf den zweiten Blick zutiefst demokratisch: Wir sollen für die Obrigkeit beten, denn sie sind auch nur Menschen. Sie stehen nicht über den anderen, sondern daneben. Wir dürfen sie nicht vergessen, denn sie sind im besonderen Maße verantwortlich. Das spüren wir in unserer gegenwärtigen Lage besonders. Sie müssen Entscheidungen treffen, wo es um das Wohl unseres Lebens geht.

Ob wir ein freies und selbstbestimmtes Leben bald wieder führen können, hängt auch von guten Entscheidungen der Regierung ab. Deshalb brauchen sie im Augenblick besonders unser Gebet.

Soweit, so gut. Die Anweisungen zum Beten sind klar formuliert. Aber bringt das denn das Beten?

Bringt es etwas zu beten, dass Corona endlich vorbei ist, fragen wir uns alle.
Bringt es etwas dafür zu beten, dass sich die Eltern nicht trennen, fragen sich Jugendliche.
Bringt es etwas dafür zu beten, dass ich in dieser schwierigen Zeit meinen Job nicht verliere, fragen sich besonders Menschen im Einzelhandel und der Gastronomie.
Bringt es etwas für meine baldige Gesundheit zu beten, fragen sich schwer Kranke.

Die Fragen lassen sich schwer beantworten. Manche Menschen sind fest davon überzeugt, dass ihnen das Beten etwas gebracht hat. Es gab in ihrem eine Wende, es gab einen Strohhalm, nach dem sie greifen konnten, einen Menschen, der an ihrer Seite war.

Eine allgemeingültige Antwort lässt sich aber nicht finden. Aber, um diese für uns so wichtige Frage, geht es im Text gar nicht. Es heißt schlicht und ergreifend: Das Beten ist gut und wohlgefällig vor Gott, unserem Heiland.

Beten ist einfach unsere Art, uns gegenüber Gott zu verhalten, so sieht es der Verfasser des Textes. Und es ist deshalb wichtig, weil es uns an etwas Entscheidendes erinnert: Wir verdanken unser Leben nicht uns selbst, sondern Gott. Beten, vor allen das Beten für andere, für alle anderen, verhindert Egoismus. Es mach deutlich: Ich bin nicht allein auf dieser Welt. Auch andere Menschen haben Probleme und Sorgen und Bedürfnisse. Das rückt mich in einen größeren Zusammenhang, manchmal sehe ich meine eigenen Probleme und Sorgen in einem anderen Licht, auf alle Fälle verbindet es mich mit anderen Menschen und macht mir deutlich, dass ich für andere Verantwortung übernehme, diese im Gebet aber gleichzeitig für mich.

Denn Gott will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen; und zwar dadurch, dass sie füreinander beten. Betet in meinem Namen, sagt Jesus und fordert dazu auf: Sucht im Gebet Kontakt zu Gott. Fragt und fragt nach, lasst euch nicht alles vorsetzen. Singt – Schreit – Glaubt! Aber glaubt nicht alles. Zweifelt und habt Mut. Setzt euch ein und setzt etwas dagegen, ruft laut, riskiert etwas – es ist manches Mal scheinbar umsonst, aber es wird nie vergeblich sein. Beten ist unsere Aufgabe. Die Theologin Dorothee Sölle hat es so ausgedrückt: Wer betet, sagt nicht: „So ist es und Amen!“ Er sagt: „So ist es! Und so soll es nicht sein!“ Und das soll geändert werden!“ Beten ist eine intensive Vorbereitung auf das Leben.

In der Bibel lesen wir immer wieder von Menschen, die beten.

Jesus selbst hat uns gesagt: Bittet so wird euch gegeben. Er ist der Weg, der uns mit Gott verbindet. Gott hat sich in Jesus selbst gegeben und so Himmel und Erde verbunden. Das haben wir an Ostern erfahren. Über ihn, über Jesus, der selbst dem Tod die Macht genommen hat, erreichen unsere Gebete Gott.

Selbst wenn wir einmal nicht mehr wissen, was wir beten sollen -selbst dann gibt es eine Möglichkeit. Für diesen Fall hat Jesus uns ein Gebet gegeben, dass wir immer beten können, das Vaterunser. In das Vaterunser kann ich abgeben, was ich beten will und in Gottes Hände legen, was ich allein nicht ändern kann. Beten ist unsere Art mit Gott zu sprechen und ihn zu bitten für alle Menschen, in Lob und Dank, in Bitte und Klage.

AMEN

Und der Friede Gottes begleite eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. AMEN



Lied: Ausgang und Eingang




Fürbittengebet (mit dem Lied EG 128, Heilger Geist, du Tröster mein)

Barmherziger Gott,
zu beten – wer vermag das?
Wir kommen zu dir
mit unseren hilflosen Worten, unserem Schweigen,
mit unserer Sehnsucht nach Klarheit und Trost
und bitten:
Erfülle unser Gebet mit deinem Geist, dass es wahrhaftig wird.
Wir rufen:
Heilger Geist, du Tröster mein, / hoch vom Himmel uns erschein/
mit dem Licht der Gnaden dein. (EG 128,1)

Wir bitten für alle,
denen vor dir die Worte zu Schreien werden,
für Verzweifelte,
für Entwurzelte und Verbitterte,
für alle, die der Folter und der Lust am Quälen ausgesetzt sind.
Wir rufen:
Komm Vater der armen Herd, / komm mit deinen Gaben wert,/
uns erleucht auf dieser Erd. (EG 128, 2)

Wir bitten dich für alle,
die dich verlästern mit ihrem Gebet,
weil sie darin nur an sich denken und dich für sich verrechnen,
für alle Selbstgerechten,
für alle, die Gebete für ihre Interessen benutzen.
Wir rufen:
Ohn dein Beistand, Hilf und Gunst / ist all unser Tun und Kunst
vor Gott ganz und gar umsonst. (EG 128, 4)

Wir bitten für alle, die nicht beten können,
weil es ihnen die Sprache im Glauben verschlagen hat,
weil du ihnen fern und unfasslich bist,
weil sie deiner Kirche und ihren Lebensformen
nicht mehr vertrauen können.
Wir rufen:
Lenk uns nach dem Willen dein, / wärm die kalten Herzen fein,
bring zurecht, die irrig sein. (EG 128, 5)

Wir bitten dich für uns selbst,
dass wir dich
voll Zuversicht wirken lassen in unserem Leben,
sei es in Gutem oder im Bedrohlichen,
in Schönem oder Schwerem,
dass wir getragen von Deiner Verheißung
alle Hilfe von Dir erwarten,
wir rufen:
Gib dem Glauben Kraft und Halt, / Heilger Geist, und komme bald
mit den Gaben siebenfalt. (EG 128,6)

Barmherziger Gott,
zu beten – wer vermag das?
Wir bitten dich,
dass es Menschen und Engel geben möge,
die für uns bitten vor dir, wenn unser Gebet verstummt.
Wir rufen:
Führ uns durch die Lebenszeit, / gib im Sterben dein Geleit,
hol uns heim zur ewgen Freud. (EG 128, 7)

In der Stille bringen wir unsere persönlichen Bitten vor dich …
Vater unser ... Amen.


Lied: Gott dein guter Segen

 

Segen
Der Herr segne dich, behüte dich, lasse sein Angesicht leuchten über dir, und der Herr sei dir gnädig. AMEN

Bleiben Sie behütet und bewahrt!

Ihre Pfarrerin Kerstin Gütgemann


Hinweis: Himmelfahrt feiern wir wieder Gottesdienst. Schauen Sie hier auf der Homepage oder in die Wartenberger Nachrichten. Da finden Sie alles dazu.

 


 

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